Auch die Zähne brauchen Sonne

Wie eine neue Übersichtsstudie zeigt, wirkt sich das „Sonnenvitamin“ (Vitamin D) auch vorteilhaft auf die Mundgesundheit aus. Ein Mangel begünstigt Parodontitis, Zahnschmelzschädigungen bei Kindern und sogar Mundkrebs.

Im Winterhalbjahr sinkt die Sonnenexposition der meisten Menschen auf ein Minimum. Wenn mal die Sonne scheint, legen die Temperaturen es dennoch nahe, sich lieber aufs Sofa unter eine Decke zu kuscheln, als draußen herumzulaufen. Dieser allzumenschliche Drang ist allerdings gesundheitlich bedenklich. Und das nicht nur, weil die Bewegung zu kurz kommen könnte. Vielmehr wirkt sich ein Mangel an Sonnenlicht auch negativ auf den Vitamin-D-Haushalt aus, denn dieses Vitamin – eigentlich eine Gruppe von Vitaminen – wird vom Körper unter UV-B-Strahlungsexposition selbst gebildet.

Das „Sonnenvitamin“ beeinflusst zahlreiche Prozesse im menschlichen Organismus, beispielsweise im Muskel- und Skelettapparat, wo sich mit Vitamin D einer Osteoporose vorbeugen lässt. Auch Auswirkungen des Vitamin-D-Haushalts auf die Herz-Gefäß-Gesundheit werden diskutiert und untersucht. Weniger bekannt ist, dass auch die Mundgesundheit unter Vitamin-D-Einfluss steht. Hinweise darauf haben nun Forscher von Universitäten in Cambridge, Boston, Ruanda und Abu Dhabi in einer gemeinsamen Übersichtsstudie zusammengetragen.

Kariesprävention mit Vitamin D
In ihrem kürzlich im „Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology“ veröffentlichten Aufsatz berichten die Wissenschaftler von mehreren Studien, die einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Parodontitis belegen:

-          So zeigte sich etwa in Norwegen, dass das Risiko von Parodontalerkrankungen mit Zahnverlust umso höher liegt, je weiter nördlich – und damit sonnenärmer – man wohnt.

-          Bei einer Langzeitbeobachtung wurde die Gesundheit des Zahnhalteapparats von knapp 600 Senioren mit und ohne tägliche Vitamin-D-Aufnahme (per Kapsel) untersucht. Die Probanden mit gestärktem Vitamin-D-Haushalt kamen dabei auf deutlich bessere Werte, etwa in puncto Alveolarknochenverlust und Taschentiefe.

-          Eine weitere angeführte Studie mit 2.800 Kindern hat offenbart, dass Zahnschmelzschädigungen häufiger vorkommen, wenn die Kinder einen Vitamin-D-Mangel aufweisen. Die Forscher empfehlen Vitamin D daher zur Kariesprävention.

-          Laut einer Metaanalyse kann Vitamin-D-Mangel auch Mundkrebs begünstigen.

Aufgrund dieser Studienlage kann der Einfluss des „Sonnenvitamins“ auf die Mundgesundheit als bewiesen gelten. Wer indes keine Möglichkeit oder wenig Lust hat, auch im Winter ins Sonnenlicht zu gehen, kann alternativ mit Nahrungsergänzungsmitteln Vitamin D aufnehmen. Der Vollständigkeit halber soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass zu viel Sonnenexposition ebenfalls nicht zu empfehlen ist – als Richtwert wird hier die Dauer von zwölf Minuten genannt. Wer sich deutlich länger ungeschützt der Sonne aussetzt, steigert unnötigerweise das Hautkrebsrisiko.