Auch Zahnersatz kann zu allergischen Reaktionen führen

Unter den zigtausend Stoffen, die als potenziell allergen bekannt sind, finden sich auch manche in Zahnersatz-Materialien. In aller Regel gibt es aber verträgliche Alternativen.

Tierhaare, Pollen, Hausstaub, Milben, Bienengift, parfümiertes Deo, Nahrungsmittel wie Eier, Erdnüsse, Fisch, Gluten oder Kuhmilch: ein kleiner Auszug der Allergene, die bei vielen Menschen Abwehrreaktionen des Immunsystems auslösen. Eine komplette Liste der bekannten Allergieauslöser würde ein kleines Buch ergeben, denn über 20.000 hat die Forschung bereits dingfest gemacht. Ein prominenter Eintrag auf dieser Liste kommt auch Nickel zu, denn die Nickelallergie ist mutmaßlich die häufigste Kontaktallergie. Das Metall findet sich in Schmuck, in Brillengestellen, in Münzen, in Knöpfen und unzähligen anderen Gebrauchsgegenständen. Und oftmals auch im Zahnersatz.

Damit ist Nickel das bekannteste Allergen, das in Zahnersatz enthalten sein kann, aber keineswegs das einzige. Schließlich handelt es sich bei den modernen Zahnersatzmaterialien häufig um komplexe Mischungen, vor allem bei den Metalllegierungen. Seltener kommt es bei Keramik oder Komposit („Kunststoff“) zu Unverträglichkeitsreaktionen. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Zement oder Kleber, die möglicherweise allergene Stoffe enthalten können. Zwar ist für alle verwendeten Materialien eine strenge Prüfung auf Körperverträglichkeit vorgeschrieben, doch angesichts der unüberschaubar vielfältigen möglichen Körperreaktionen gibt es nie völlige Gewissheit.

Allergiker sollten ihren Zahnarzt informieren

„Abwehrreaktionen des Immunsystems lassen sich in der Zahnmedizin sehr selten beobachten. Meist handelt es sich dann um wunde oder schmerzende Stellen im Zahnfleisch, bisweilen tritt auch ein metallischer Geschmack im Mund auf. Im Extremfall kann es zu einer Entzündung der Mundschleimhaut kommen“, führt die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga aus. „Patienten mit derartigen Symptomen sollten unverzüglich eine Zahnarztpraxis aufsuchen, um der Ursache auf den Grund gehen zu können. Es gibt für alle Zahnersatzmaterialien Alternativen, die ihren Zweck ebenso gut erfüllen.“

In den meisten Fällen ist es ein Umstieg von metallischem auf Keramik- oder Komposit-Zahnersatz, der die Unverträglichkeitsreaktionen verschwinden lässt. Auch Titan, wiewohl ebenfalls ein Metall bzw. eine Metalllegierung, kommt auf gute Biokompatibilitätswerte (eine der Voraussetzungen für seinen Siegeszug als Implantat-Material). In jedem Fall, so die Empfehlung von Zahnärzten wie der Hanauerin Varga, sollten Patienten vor dem Einsetzen von Zahnersatz bereits diagnostizierte Allergien dem Behandler bzw. der Behandlerin mitteilen.