Betäubung beim Zahnarzt: Strom statt Spritze

Für viele ist die Angst vor der Spritze oftmals ein Grund gar nicht zum Zahnarzt zu gehen. Dies kann aber fatale Folgen haben. Eine neue Methode könnte die bekannte Betäubungsspritze beim Zahnarzt bald ersetzen.

Der Anblick des Zahnarztes mit einer Spritze in der Hand sorgt bei vielen Menschen für ein mulmiges Gefühl. Dabei spielt hier wie so oft eher der Kopf eine Rolle als das wirkliche Schmerzempfinden. Ein Stich ins Zahnfleisch ist unangenehm, doch bevor der Zahnarzt die Spritze setzt, wird das Zahnfleisch mittels eine Salbe betäubt. Erst dann kommt die Spritze. „Durch das vorherige Auftragen der Salbe ist der Einstich wirklich nur noch kaum spürbar“, erläutert Kristina Varga, Zahnärztin aus Hanau. Es ist daher wie gesagt wohl eher der pure Anblick als der echte Schmerz, der für das Unbehagen sorgt.

Ohne Betäubung geht es aber nicht. Andernfalls lassen sich Wurzelbehandlungen oder auch das Ziehen eines Zahns nicht durchführen beziehungsweise sorgen beim Patienten für unerträgliche Schmerzen.

Doch möglicherweise gibt es bald eine neue Methode, die auch für Patienten mit „Angst vor der Spritze“ geeignet ist. Brasilianische Forscher haben sich Gedanken darüber gemacht, wie es möglich wäre, die erwähnte Betäubungssalbe tiefer ins Zahnfleisch einbringen zu können und zwar ohne es zu verletzen, also nicht-invasiv. Die Wissenschaftler nahmen dabei eine Anleihe aus der Dermatologie. Dort kommt nämlich das Verfahren Iontophorese bereits zum Einsatz. Dabei öffnet schwacher Gleichstrom die biologische Barriere, welche in diesem Fall zum Schutz des inneren Zahnfleisches dient. Durch das Öffnen dieser Barriere können die Wirkstoffe dieser Betäubungssalbe tiefer eindringen. Für Patienten ist dies angenehm. Sie spüren nur ein leichtes Kribbeln auf der Haut.

Die Methode wurde bislang nur an Schweinen getestet. Dort aber mit Erfolg. Denn eine Kombination aus den Wirkstoffen Lidocain und Prilocain, zwei der möglichen Wirkstoffe der Betäubungssalben, drangen tief genug ein. Der Betäubungseffekt war so gut wie bei einer Spritze.

Die Forscher wollen nun ein spezielles Iontophorese-Gerät für die Anwendung im Mundraum auf den Markt bringen.