Biofilm – natürlich, aber nicht ungefährlich

Biofilm, also die Bildung einer Gemeinschaft bestehend aus verschiedenen Bakterien, ist ganz natürlich und kommt nicht nur im Mundraum vor. Dort ist er unbehandelt aber gefährlich.

Bakterielle Lebensgemeinschaften (Biofilme) kommen in der Natur sehr häufig vor. Beispiele dafür sind rutschige Steine in Flüssen und Seen oder auch in Wasserrohrleitungen. Oberflächen, an denen es feucht und warm ist, sind der ideale Nährboden für solche Biofilme. Daher kommt es auch an den Zähnen zu einer solchen Ansiedlung von Belag. Oftmals werden die Begriffe Plaque, also Zahnbelag, und Biofilm synonym verwendet. Wenngleich dies nicht ganz korrekt ist, denn dentale Plaque ist eine Form von Biofilm, der wie erwähnt vielfach vorkommt.

Beim Biofilm haften sich die Mikroorganismen nicht nur an die Oberfläche, sondern auch gegenseitig aneinander. So entsteht die bakterielle Lebensgemeinschaft. Die verschiedenen Arten von Bakterien in dieser Gemeinschaft bilden eine Art Schutzmantel um sich herum. Diese extrazelluläre Substanz aus Polysacchariden (Vielfachzucker) sorgt dafür, dass chemische Stoffe nicht von außen eindringen können und somit die Lebensgemeinschaft nicht stören. Mundspüllösungen stellen daher für diesen Biofilm an den Zähnen keine Gefahr da.

Nur mechanische Entfernung bringt was
Aufgrund dieser Konstellation ist es notwendig, dass der Biofilm mechanisch entfernt wird, also durch die Zahnbürste und andere Hilfsmittel wie Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen. Denn bestimmte Bakterien als Bestandteile des Biofilms können Zucker verwerten und verdauen. In der Folge scheiden diese Bakterien Säuren aus. Diese Säure gelangt aber nicht nach draußen, sondern verbleibt durch den beschriebenen Schutzmantel auf der Oberfläche der Zähne. Als Konsequenz daraus kann es zur Herauslösung von Mineralsalzen aus der Zahnoberfläche kommen. Das führt langfristig zu Karies. Die Stoffwechselprodukte der Bakterien begünstigen zudem eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), welche unbehandelt zu einer Parodontitis führen kann.

Selbst eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung kann Biofilm nicht verhindern. Er bildet sich bereits wenige Stunden danach. Aber eine solche Zahnreinigung in der Praxis sorgt überhaupt erst dafür, dass dieser Biofilm gründlich von den Zähnen entfernt wird“, sagt Kristina Varga, Zahnärztin aus Hanau. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung in Kombination mit einer guten Zahnpflege zu Hause, bei der nicht nur die Zahnbürste zum Einsatz kommt, sondern gerade wegen der schwer zugänglichen Zwischenräume auch Zahnseide und andere Hilfsmittel, erhöht  die Chance auf ein kariesfreies Gebiss und einen entzündungsfreien Mundraum.