Darum essen die Deutschen zu viel Zucker

Mehr als 25 Gramm Zucker sollte man täglich nicht zu sich nehmen, den Zähnen, aber auch der Herz-Kreislauf-Gesundheit zuliebe. Der tatsächliche Verbrauch liegt viel höher – auch wegen Zuckerbomben im Lebensmittelregal.

Comicfiguren sind ein beliebtes Werbemittel, um Kindern damit Frühstücksflocken schmackhaft zu machen. Gerade die damit verzierten Packungen allerdings haben es laut einer neuen Untersuchung der Stiftung Warentest in sich: Kellogg’s Smacks beispielsweise enthalten 43 Prozent Zucker. Ein Kind, das 60 Gramm davon zum Frühstück zu sich nimmt, hat damit bereits die maximale tägliche Zuckerdosis intus, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für vertretbar gehalten wird. Nestlé Cini Minis und Nesquick Duo Vollkorn sind zwar etwas sparsamer mit der süßen Ingredienz, bergen aber auch immerhin fünf Stück Würfelzucker pro 60-Gramm-Portion.

„Frühstücks-Cerealien gehören zu jenen verarbeiteten Lebensmitteln, die häufig durch riesige Zuckermengen auffallen. Für die Zahngesundheit hat das mitunter gravierende Folgen, zumal die Liste der versteckten Zuckerbomben lang ist – über den Tag verteilt nehmen viele Menschen dadurch ein Vielfaches der langfristig vertretbaren Menge zu sich“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga, die als zahnschonende Alternative Haferflocken oder Cerealien ohne Zuckerzusatz empfiehlt.

Einen Ausschnitt aus dieser Zuckerbomben-Liste hat die Stiftung Warentest kürzlich veröffentlicht. Die Zahlen geben einen Hinweis darauf, warum die Deutschen sich durchschnittlich 90 Gramm Zucker pro Tag einverleiben statt 25 Gramm, wie von der WHO empfohlen. Zwar sind darin auch weggeworfene Lebensmittel enthalten, doch dürfte mindestens das Doppelte des Verträglichen auch tatsächlich konsumiert werden.

Verbraucher sollten wachsam sein

Die Hersteller von Fertigprodukten sind verpflichtet, den Gesamtzuckergehalt auf der Verpackung anzugeben. Doch abgesehen davon, dass man die für zumeist 100 Gramm oder Milliliter geltenden Werte erst einmal auf eine realistische Portion umlegen muss, wird der Anteil zugesetzter Süße nicht erkennbar. Auf die aber kommt es am Ende an.

So dürfte vielen Verbrauchern entgehen, was beispielsweise in Softdrinks steckt: Markencola kommt auf 17 Stück Würfelzucker pro Halbliterflasche. „Sie erhöhen die Gesamtzuckerzufuhr und führen nicht dazu, dass man weniger feste Lebensmittel verzehrt“, zitiert die Stiftung Warentest eine Warnung des Ernährungsforschers Prof. Matthias Schulze. Auch Frucht-Joghurts geizen nicht mit zugesetztem Zucker, viele Produkte enthalten umgerechnet vier Stück Würfelzucker pro 150-Gramm-Becher. Die gleiche Zuckermenge bringt auch eine Portion Fertigtomatensoße mit sich, während man mit einem Esslöffel Barbecue-Soße gleichsam drei Stück Würfelzucker mitisst.

Auch wenn die WHO auf eine Reduzierung des Zuckeranteils dringt, bleibt er in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln seit Jahren unverändert hoch. In Frankreich gibt es immerhin seit Kurzem eine Steuer auf gezuckerte Getränke. Dass Deutschland nachzieht, ist eher unwahrscheinlich.

Auch die von einigen Herstellern angekündigte Lebensmittelampel, die auf einen Blick den Zucker-, Salz- und Fettanteil eines Produkts erkennbar machen soll, dürfte nur bedingt weiterhelfen. Denn die Hersteller können selbst festlegen, für welche Portionsgröße die Ampel gelten soll. Wer seinen Zähnen und der allgemeinen Gesundheit etwas Gutes tun will, bleibt damit nach wie vor auf die eigene Wachsamkeit angewiesen, um den Zuckerbomben zu entgehen.