Energydrinks bedrohen den Zahnschmelz

Mit ihrem hohen Säuregehalt greifen Energydrinks den Zahnschmelz an – und zwar aggressiver als klassische Softdrinks mit ihrer Phosphorsäure. Auch wie man trinkt, spielt eine Rolle.

Dass Energydrinks mit Vorsicht und am besten in sehr geringen Maßen zu genießen sind, ist seit vielen Jahren bekannt und durch Studien belegt. Regelmäßig werden – überwiegend junge – Patienten in die Notaufnahmen eingeliefert, nachdem sie durch überzogenen Konsum der koffeinhaltigen Brause Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen erlitten haben. Auch Todesfälle sind immer wieder zu verzeichnen, insbesondere wenn Alkohol und strapaziöse Bewegung (Tanz) hinzukommen. Der Beliebtheit der stark gezuckerten Wachmacher tut das keinen Abbruch: Mehr als zwei von drei Jugendlichen (10 bis 19 Jahre) greifen laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gern mal zu Energydrinks, unter den Erwachsenen ist es jeder dritte.

Eine mit dem Konsum der Aufputschgetränke verbundene gesundheitliche Gefahr ist erst seit Kurzem bekannt: Energydrinks können auch den Zahnschmelz angreifen, und das in bedenklichem Maße. Das vermeldete kürzlich ein Forscherteam der Universität Bern unter Leitung von Prof. Dr. Adrian Lussi.

Der Grund liegt im hohen Säuregehalt der Energydrinks. Zwar weisen klassische Softgetränke wie Cola ebenfalls viel Säure auf; doch die Säurearten machen den Unterschied. Die in Energydrinks enthaltenen Säuren sind deutlich aggressiver als die in Softdrinks.

Lange Pausen machen, Wasser trinken

„Säurehaltige Getränke wie Fruchtsäfte, Softdrinks oder eben Energydrinks senken den pH-Wert im Mundraum und greifen den Zahnschmelz an“, erklärt die Zahnärztin Kristina Varga aus Hanau. „Das im Speichel enthaltene Kalzium kann die Säure dann nicht mehr neutralisieren. Infolge der Zahnschmelzerosion kann es zu erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Kälte und Hitze kommen, zu Verfärbungen oder auch zu Eindellungen oder Sprüngen an der Kauoberfläche. Daher sollten säurehaltige Getränke nicht über den ganzen Tag hinweg konsumiert werden.“

Damit spricht die erfahrene Zahnärztin eine der Grundregeln beim zahnmedizinisch unbedenklichen Genuss säurehaltiger Getränke an: Sie sollten nur hin und wieder getrunken werden, damit sich der Zahnschmelz in den langen Pausen dazwischen regenerieren kann. Wer also nicht auf Energydrinks verzichten möchte, sollte nicht über Stunden immer wieder daran nippen, sondern möglichst gebündelt trinken (was nicht heißt: viel auf einmal). Unterstützt wird die Neutralisierung der Säure durch Wasser – ohnehin das empfehlenswerteste Getränk.