Hoher Cholesterinspiegel schwächt auch das Zahnfleisch

Cholesterin ist vor allem in der Herz-Gefäß-Medizin als problematischer Stoff bekannt. Studien liefern darüber hinaus Hinweise auf einen Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen.

Cholesterin ist ein Fettmolekül, das der menschliche Körper braucht. Zum einen dient es zur Bildung der Zellwände, zum anderen wird es bei der Produktion einiger Hormone und von Gallensäure benötigt. Unablässig stellt es der Körper daher selbst her, nur ein kleinerer Teil wird über die Nahrung von außen aufgenommen.

Zu viel Cholesterin im Blut, also ein hoher Cholesterinspiegel, kann jedoch auch schädlich wirken. Die bekannteste Folgewirkung ist Arteriosklerose, weithin als „Arterienverkalkung“ bekannt. Sie erhöht das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Ausschlaggebend für einen hohen Cholesterinspiegel können eine Schilddrüsenunterfunktion, starkes Übergewicht, Diabetes, einige Lebererkrankungen oder auch Fettstoffwechselstörungen sein.

Neben den Schädigungen des Herz-Gefäß-Systems gibt es jedoch noch eine weitere, die kaum bekannt ist: Offenbar schwächt das Cholesterin das Zahnfleisch derart, dass Entzündungen leichteres Spiel haben. Im Extremfall kann ein hoher Cholesterinspiegel somit zu Zahnverlust führen, wenn eine Parodontitis nicht konsequent bekämpft wird. Der Effekt wurde in mehreren Studien belegt.

Statintherapie kann auch fürs Zahnfleisch heilsam sein

Auch indirekt lässt sich ein Zusammenhang beobachten, wie in „ISRN Dentistry“ und „BMC Oral Health“ publizierte finnische und deutsche Forschungsarbeiten erbrachten: Werden Parodontitis-Patienten mit Statinen behandelt – wie man sie standardmäßig zur Senkung des Cholesterinspiegels einsetzt –, führt das zu einer deutlichen Verbesserung der oralen Entzündung. So sinkt beispielsweise die Anzahl von Zahnfleischtaschen um mehr als 30 Prozent.

„Parodontitis wird mit einer Vielzahl systemischer Erkrankungen in Verbindung gebracht, so auch Gefäßerkrankungen, womit das Herzinfarktrisiko von Parodontitis-Patienten deutlich erhöht ist“, ordnet die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga die Forschungsergebnisse zum Cholesterin-Parodontitis-Zusammenhang ein. „Daher sollte die Vorsorge großgeschrieben werden: mit sorgfältiger Mundhygiene, Verzicht aufs Rauchen, regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und idealerweise mit zwei professionellen Zahnreinigungen pro Jahr.“