Jedes siebte Kind von MIH betroffen

Innerhalb von nur vier Jahren stieg der Anteil der Kinder, die an MIH erkrankt sind, von 10 auf 14 Prozent. Für die Eltern wird die unabdingbare intensive Zahngesundheitsvorsorge zur Daueraufgabe.

Eigentlich entwickelt sich die Zahngesundheit der Kinder in Deutschland positiv. Wie man richtig die Zähne putzt und welche Lebensmittel schädlich sind, aber auch dass Vorsorgeuntersuchungen schon ab frühester Kindheit wahrgenommen werden sollten, hat sich herumgesprochen. Die Kariesraten befinden sich folgerichtig seit vielen Jahren im Sinkflug.

Umso überraschender mutet eine gegenläufige Entwicklung an: Die von Eltern gefürchtete Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) ist auf dem Vormarsch. Wie Greifswalder Forscher bei der Auswertung von 70 Studien feststellten, stieg der Anteil der von MIH betroffenen Kinder in nur vier Jahren von 10 auf 14 Prozent.

„Die Zahnschmelz-Mineralisationsstörung MIH führt zu einem geringeren Gehalt von Kalzium und Phosphat in den Zähnen als üblich. Das beeinträchtigt die Konsistenz des Zahnschmelzes, er wird weicher, weniger widerstandsfähig. Zudem kann es zu erhöhter Temperatur- und Berührungsempfindlichkeit kommen“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga. „Am auffälligsten sind zunächst die charakteristischen Flecken auf den Zähnen, deren Farbe von Gelb bis Bräunlich reichen kann.“

Ursache (weitgehend) unbekannt
Viele Eltern neigen beim Auftreten der MIH-Symptome zu Selbstkritik: „Was haben wir bloß falsch gemacht?“ Tatsache ist jedoch, dass auch eine gute frühkindliche Zahnpflege das Auftreten der Erkrankung nicht verhindert. Wo genau die Ursachen für MIH liegen, ist noch weitgehend unbekannt. Bisherige Forschungen weisen auf Faktoren wie Umweltgifte oder bestimmte Arzneien hin, die im Mutterleib und in den ersten Lebensjahren die Zahnentstehung beeinflussen könnten. Auch chronische (Atemwegs-)Erkrankungen stehen im Verdacht, eine MIH zu begünstigen. 

Für die betroffenen Eltern und ihre Kinder bleibt damit einstweilen nur, mit den Symptomen und Einschränkungen zu leben – und sich mit viel Engagement der Zahnhygiene zu widmen. Denn an MIH erkrankte Zähne sind anfälliger für Karies. Hinzu kommt die Erschwernis, dass das Putzen schmerzempfindlicher Zähne sehr unangenehm werden kann. Gerade bei kleinen Kindern kann das zu einer Verweigerungshaltung führen, die immer wieder neu mit psychologischem Geschick überwunden werden muss. Zudem sollten die zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen engmaschiger erfolgen als bei gesunden Zähnen, damit entstehende Folgeerkrankungen schnellstmöglich behandelt werden können.