Krankenkassen sollen mehr parodontologische Leistungen erstatten

Der Gemeinsame Bundesausschuss, der den gesetzlichen Leistungskatalog festlegt, hat eine neue Richtlinie zur Parodontitis-Behandlung erlassen. Zukünftig werden auch Nachsorgekosten übernommen.

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hat nach Meinung vieler Experten eine Schlagseite, und zwar zugunsten von „Reparaturarbeiten“. Auf Individualprophylaxe entfielen 2018 nur 3,9 Prozent des Gesamtbetrags, den die gesetzlichen Versicherer im zahnmedizinischen Bereich aufgewendet haben. Der Kostenanteil parodontologischer Behandlungen inklusive Nachsorge belief sich auf 3,4 Prozent. Den Löwenanteil mit 81 Prozent machten Aufwendungen für Zahnersatz und konservierende sowie chirurgische Maßnahmen aus.

Angenehmer für die Patienten und am Ende auch günstiger für die Krankenkassen wäre es, mehr in die Vorbeugung statt in die Therapie zu investieren. „Gerade bei Parodontitis sind Vor- und Nachsorge ganz entscheidend für die langfristige Gesundheit des Zahnhalteapparats“, betont die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga. „Mit effektiverer heimischer Mundhygiene und häufigeren professionellen Zahnreinigungen könnten viele schwere Krankheitsverläufe verhindert werden.“

Genau dies ist das Ziel einer Reform, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) kürzlich verabschiedet hat. Das Gremium bestimmt, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Mitte 2021 soll nun eine aktualisierte Richtlinie zur Parodontitis-Behandlung in Kraft treten, nach der auch Beratung und Trainings zur Mundhygiene im Rahmen der Nachsorge erstattet werden.

Rund 12 Millionen Deutsche von schwerer Parodontitis betroffen

Der Kampf gegen die Parodontitis erhält damit neuen Schwung, der dringend gebraucht wird. Denn die Zahl der Betroffenen ist in Deutschland noch immer hoch – neben Karies ist die chronische Entzündung des Zahnhalteapparats die zweite große Volkskrankheit im Zahnbereich. Zwölf Millionen Erwachsene leiden hierzulande gemäß Zahlen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung unter einer schweren Ausprägung. Neun von zehn über 75-Jährigen weisen parodontale Schäden auf.

Das Tückische an der Parodontitis ist nicht nur, dass sie über lange Jahre harmlos wirkt und doch Schädigungen bis zum Zahnverlust verursachen kann. Hinzu kommt auch ein gesteigertes Risiko für einige Allgemeinerkrankungen. Denn die Bakterien verbleiben nicht im Mundraum, sondern gelangen über die Blutbahn in den gesamten Organismus. So wurden in Studien vielfach Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs nachgewiesen.