Kreisrunder Haarausfall kann auf die Zähne zurückgehen

Die Ursachen der Alopecia areata, die vor allem jüngere Menschen betrifft, liegen noch weitgehend im Dunkeln. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass eine Zahninfektion als Auslöser infrage kommt.

Die Nachricht, die kürzlich im „British Medical Journal“ verbreitet wurde, dürfte für die meisten Patienten mit kreisrundem Haarausfall überraschend sein: Es kann sich lohnen, die Zahngesundheit unter die Lupe zu nehmen, wenn man an dieser fachsprachlich Alopecia areata genannten Erkrankung leidet. Ein spanisches Forscherteam der Universität Granada hat nämlich einen interessanten Zusammenhang festgestellt.

Die Wissenschaftler untersuchten den Zahnstatus von Alopecia-areata-Patienten und stellten fest, dass häufig eine Zahninfektion vorliegt, von der sich eine gerade Linie zu den kahlen Stellen projizieren lässt. Diese können sowohl im Haupthaar als auch in Augenbrauen oder Bart liegen. Dass die haarlosen Stellen mit der jeweiligen oralen Infektion bloß zufällig auf einer Linie liegen, halten die Forscher für unwahrscheinlich. Ihre Schlussfolgerung: Zur Ursachenabklärung sollten Betroffene eine Zahnarztpraxis aufsuchen.

Bisher nur symptomatische Behandlung
Laut dem derzeitigen Stand der Forschung handelt es sich bei kreisrundem Haarausfall um eine Autoimmunerkrankung. Das fehlgeleitete Immunsystem löst an den Haarwurzeln eine Entzündung aus, die das Haarwachstum beeinträchtigt. Warum die Abwehrzellen sich gegen die Haarproduktion richten, ist jedoch noch unklar. Da Alopecia areata in manchen Familien gehäuft vorkommt, liegt eine genetische Veranlagung nahe. Darüber hinaus hat die Medizinerschaft jedoch bisher noch keinen Ansatzpunkt für eine Ursachenbehandlung und therapiert daher rein symptomatisch.

Die neuen Erkenntnisse aus Spanien bieten nun einen Hoffnungsschimmer für die rund eineinhalb Millionen Betroffenen in Deutschland. Deren Leidensdruck ist meist enorm, da die kahlen Stellen schwierig zu verdecken sind. Zwar kommt es zu Spontanheilungen, doch meist schreitet die Erkrankung immer weiter fort oder nimmt in Schüben zu und ab. In einigen Fällen geht das Kopfhaar zur Gänze verloren. Das Behandlungsmittel der Wahl ist bis auf Weiteres Kortison, da es Immunreaktionen unterdrückt und die Entzündungsreaktion bremst. Abgesehen von den Nebenwirkungen hat diese Therapie jedoch den Nachteil, dass der Haarausfall in der Regel nach Absetzen des Kortisons zurückkehrt. Sinnvoller ist es da, nach der Ursache zu suchen – und die kann eben auch im Mundraum liegen.