Mundgesundheitscoach statt Zahnarzt

Die beste Zahnbehandlung ist die, die gar nicht notwendig wird. Wie Forschung und EU die zahnärztliche Prävention systematisch fördern wollen und was jeder Einzelne für seine Mundgesundheit tun kann.

Der Schwerpunkt der zahnärztlichen Versorgung liegt derzeit auf der Reparatur geschädigter Zähne oder der Versorgung mit Zahnersatz. Die Europäische Union will dies langfristig ändern und hat einen internationalen Forschungsverbund ins Leben gerufen und mit Geldern ausgestattet. Dieser Verbund soll neue Konzepte für den Erhalt der Mundgesundheit durch Prävention entwickeln.

An dem EU-Projekt namens Advocate (Added Value for Oral Care) beteiligen sich insgesamt sechs Universitäten und neun Versicherungen aus sechs europäischen Ländern. Die Forscher werden in den nächsten vier Jahren zunächst anonymisierte Patientendaten aus mehreren Ländern Europas auswerten und anschließend Indikatoren für die Bewertung von ganzen Gesundheitssystemen entwickeln. Ziel ist es, die Zahngesundheit in ganz Europa zu verbessern und möglicherweise sogar einen Impuls für die weltweiten Gesundheitssystemen geben zu können.

Das A und O der Zahngesundheit
Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich und insbesondere Karies zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Dabei sind viele Zahnerkrankungen dank moderner Zahnmedizin absolut vermeidbar. Das A und O ist die regelmäßige, gründliche Zahnpflege zu Hause. Dabei ist Zähneputzen nicht gleich Zähneputzen. Nicht nur auf die Putztechnik, sondern auch auf die Gerätschaften kommt es an. Neben der Zahnbürste in verschiedenen Formen stehen ebenso Hilfsmittel wie Zungenschaber, Zahnzwischenraumbürsten beziehungsweise Zahnseide oder auch Mundspülungen zur Verfügung.

Fakt ist, dass ganz gleich welche Zahnbürste verwendet wird, die Zahnzwischenräume besonders sensibles Terrain sind, in dem sich oftmals Karies bildet. Denn die Zahnbürste kann diese Bereiche nicht erreichen. Wichtig ist daher auf jeden Fall die Verwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten, die für viele motorisch oftmals einfacher als Zahnseide zu bedienen sind. Auch die gelegentliche Verwendung von Zungenschaber sollte nicht vergessen werden, weil sich auf der Zunge immer besonders viele Bakterien befinden. Ebenso kann die Anwendung von Mundspülungen ein sehr sinnvoller, zusätzlicher Bestandteil der Zahnpflege sein.

„Es mag etwas desillusionierend klingen, aber selbst bei optimaler häuslicher Zahnpflege ist der turnusmäßige Zahnarztbesuch und eine regelmäßige, professionelle Zahnreinigung unverzichtbar“, erläutert Kristina Varga, Zahnärztin und Expertin für Prophylaxe aus Hanau. Denn nur bei einer professionellen Zahnreinigung in der Praxis (PZR) werden alle weichen und harten Zahnbeläge ausreichend gründlich entfernt.

Eine solche PZR hat aber weitere Vorteile: So werden Patienten abhängig vom individuellen Zustand des Gebisses darüber aufgeklärt, wie sie ihre häusliche Zahnpflege optimieren können und erhalten zudem wertvolle Ernährungstipps. Die Häufigkeit einer solchen PZR ist stark vom Zustand der Zähne und von den Lebensgewohnheiten abhängig. So haben beispielsweise Raucher ein deutlich höheres Risiko für Zahnerkrankungen als Nichtraucher und sollten daher eine PZR häufiger in Anspruch nehmen.