Neue Implantat-Beschichtung dämpft Abstoßungsreaktionen

Bei Zahnimplantaten besteht wie bei allen anderen implantierten Fremdkörpern das Risiko, dass die Immunabwehr es abzustoßen versucht. In Halle-Wittenberg wurde nun eine Beschichtung entwickelt, die Entzündungsreaktionen verhindern soll.

Egal ob Herzschrittmacher, künstliches Hüftgelenk oder Zahnimplantat: Wird im Körpergewebe des Menschen ein „Bauteil“ verankert, das dort nicht natürlich gewachsen ist, kann sich die Immunabwehr gegen den „Eindringling“ richten. Sogenannte Fresszellen, Bindegewebszellen und weitere Zellarten werden dann entsandt, um den Fremdkörper zu isolieren und am Ende auszuscheiden.

„Nach einer Zahnimplantation kann es zu einer immunologisch bedingten Verkapselung des Implantats mit Bindegewebe kommen. Für die Patienten ist das in der Regel mit sehr unangenehmen Schmerzen verbunden“, erläutert die in Hanau praktizierende Implantologin und Zahnärztin Kristina Varga. „Um die chronische Entzündung zu bändigen, kommen dann standardmäßig starke Medikamente zum Einsatz.“

Dieses Komplikationsrisiko wollen Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) nun auf nahezu null senken. Den Schlüssel dazu haben sie mit einer Beschichtung aus Heparin und Hyaluronsäure gefunden, wie sie kürzlich im Fachmagazin „International Journal of Molecular Sciences“ berichteten.

Drosseln, nicht deaktivieren
Die besondere Herausforderung liegt darin, das Immunsystem im Prinzip auch rund um das Zahnimplantat funktionsfähig zu halten und dennoch eine Entzündung zu verhindern. Eine komplette Deaktivierung der Körperabwehr würde nämlich auch die Bekämpfung von Keimen und die Wundheilung beeinträchtigen. Es geht also um eine punktgenaue, zeitweilige Drosselung der Abwehrreaktionen.

Dieses Ziel wollen die Wissenschaftler mit einer hauchdünnen Implantatbeschichtung aus den beiden genannten entzündungshemmenden Stoffen erreichen. Diese stören einen Signalweg in den Fresszellen und damit die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe. Erste Tests auf Modelloberflächen verliefen vielversprechend. Als nächster Schritt stehen Versuche auf Implantatoberflächen und in modellhaften Organismen auf dem Plan. In einigen Jahren könnte dann ein weiterer Meilenstein in der Zahnimplantatentwicklung den Patienten zugutekommen.