Pilotprojekt belegt Bedeutung frühkindlicher Vorsorgeuntersuchungen

Bereits ab dem ersten Milchzahn sollte die Zahngesundheitsvorsorge bei Kleinkindern großgeschrieben werden. Die KZV Rheinland-Pfalz unterstreicht dies mit einem wegweisenden Angebot.

Karies ist die häufigste chronische Erkrankung bei unter Sechsjährigen. Zwar sind die Kariesquoten von Schülern in den letzten Jahrzehnten hierzulande erfreulich zurückgegangen, doch im Vorschulalter gibt es noch Nachholbedarf. Frühkindliche Karies weisen Studien zufolge annähernd 15 Prozent der Zweieinhalbjährigen auf.

„Jeder zweite Erstklässler mit Karies leidet schon seit mindestens drei Jahren an der Erkrankung“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga. „Diesem Umstand trägt das gesetzliche Vorsorgesystem derzeit nicht angemessen Rechnung, denn Früherkennungsuntersuchungen werden von den Krankenkassen erst ab dem 30. Lebensmonat erstattet. Eine zielführende Prophylaxe müsste aber deutlich früher ansetzen.“

Das sieht die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Rheinland-Pfalz genauso. Daher hat sie vor rund anderthalb Jahren ein Pilotprojekt initiiert, in dessen Rahmen drei Früherkennungsuntersuchungen in das gelbe Kinderuntersuchungsheft aufgenommen wurden. Bei den kinderärztlichen Untersuchungen U5 bis U7 werden die Eltern mit ihren Kleinkindern nun verbindlich an einen Zahnarzt verwiesen.

Vorsorge ab dem ersten Milchzahn

Laut dem KZV-Rheinland-Pfalz-Vorstandsvorsitzenden Dr. Peter Matovinovic hat sich dieser Ansatz bewährt: „Das Projekt zeigt, dass frühzeitige Vorsorge hilft, spätere Schäden zu vermeiden.“ Bei den Untersuchungen werden nicht nur frühe Schädigungen erkannt und behoben, sondern auch die Eltern über eine angemessene Vorsorge aufgeklärt. Denn vielen von diesen ist noch nicht bekannt, wie früh eine systematische Mundhygiene einsetzen sollte. Durch die frühe zahnärztliche Begleitung können viele aufwendigere – und schmerzhaftere – Behandlungen, die sonst einige Jahre später nötig würden, vermieden werden.

Mit dem Pilotprojekt möchte die KZV Rheinland-Pfalz darauf hinwirken, dass zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen bereits ab dem siebten Lebensmonat in den gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen werden. Die derzeitige Regelung birgt für Matovinovic eine „Versorgungslücke“.

Übrigens: Weithin unbekannt ist nicht nur, wie früh die Zahngesundheitsvorsorge beginnen sollte; auch wie lange Eltern bei ihren Kindern nachputzen sollten, ist noch kein Allgemeingut. Experten empfehlen, bis zum neunten Lebensjahr beim Zähneputzen zur Hand zu gehen. Zuvor reichen die motorischen Fähigkeiten in der Regel nicht aus, um wirklich alle Zähne von allen Seiten gründlich zu reinigen.