Regenerationsfähiger Zahnschmelz könnte Komposite überflüssig machen

Bisher lässt sich zerstörter Zahnschmelz nur durch Füllungen ersetzen. Chinesische Forscher haben nun jedoch ein Gel entwickelt, das ihn zum Nachwachsen anregt.

Zwar gehen die Kariesraten hierzulande insgesamt zurück, doch nach wie vor gibt es nur wenige Menschen, die nicht früher oder später im Leben Zahnfüllungen brauchen. Zerstörter Zahnschmelz ist unwiederbringlich verloren, so lautet ein eherner Grundsatz der Zahnmedizin. „Es gibt im menschlichen Körper kein härteres Gewebe als den Zahnschmelz. Auch dieser kann aber erodieren, insbesondere durch den häufigen Kontakt mit Säure und Zucker“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristin Varga. Immerhin geht das Zeitalter der Amalgamfüllungen seinem Ende entgegen, heute sind Komposite (Kunststofffüllungen) zum neuen Standard avanciert. Sie verbinden lange Haltbarkeit und Stabilität mit einer ansprechenden, da zahnfarbenen Optik.

Nun aber könnte auch die Ära der Komposite schon in wenigen Jahren vorbei sein, denn eine noch bessere Lösung zeichnet sich ab: Statt sie mit Fremdmaterial zu füllen, könnte man die Lücken auch einfach wieder „zuwachsen“ lassen, mit echtem Zahnschmelz. Der Zahn hätte damit am Ende wieder seine Originalbeschaffenheit und sein natürliches Aussehen.

Diesem alten Traum der Zahnmediziner scheinen chinesische Wissenschaftler nun nahegekommen zu sein: Sie entwickelten ein Gel, das die Neubildung von Zahnschmelz anregt. Die Studie dazu ist im Fachblatt „Science Advances“ erschienen.

Bisher nur Vierhundertstel der Zahnschmelzdicke
In ihrem Gel haben die Forscher der Zhejiang University School of Medicine die morphologische Struktur des Zahnschmelzes imitiert, in der vor allem sogenannte Kalziumphosphationen-Cluster (CPIC) eine wesentliche Rolle spielen. Nach Auftrag auf natürlichen Zahnschmelz führt das Material ersten Testergebnissen zufolge dazu, dass eine neue Schicht aus Hydroxylapatit gebildet wird, also neuer natürlicher Zahnschmelz. Die Grenzen zwischen dem Gel und dem Zahn lösen sich förmlich auf.

Damit ist ein großer Schritt in Richtung Regeneration des Zahnschmelzes geschafft. Bis zur Praxisanwendung sind allerdings noch einige weitere zu bewältigen. Bisher wächst durch die Gel-Stimulation nur eine 2,7 Mikrometer dicke Schicht. Der Zahnschmelz ist aber rund 400 Mal so dick. Um nicht unzählige Anwendungen vorauszusetzen, muss das Gel also für die Praxistauglichkeit noch deutlich effektiver werden. Der Grundstein ist jedoch gelegt.