Risikofaktoren für Zahnimplantate

In einer Beobachtungsstudie wurde erhoben, woran es liegt, wenn Zahnpatienten einen Implantatverlust hinnehmen müssen. Ein Befund: Eine Knochenaugmentation erhöht das Risiko nicht – im Gegenteil.

Vorab: Zahnimplantate werden immer zuverlässiger und haltbarer. Das wurde erst im letzten Sommer durch eine im „Implantologie Journal“ erschienene Studie bestätigt. Anhand der Daten von über 10.000 Implantatbehandlungen stellten die Autoren eine sogenannte Überlebensrate von über 95 Prozent nach zehn Jahren fest. Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) hatte im Jahr 2000 noch von 71 bis 97 Prozent berichtet. Da die nun ausgewerteten Behandlungen notwendigerweise mehr als ein Jahrzehnt, teilweise sogar mehr als zwei, zurückliegen, spiegeln sie indes nicht den aktuellen Stand der Implantologie wider. Die Erfolgsrate dürfte daher heute deutlich höher liegen.

Welche Faktoren entscheiden über die Haltbarkeit eines Zahnimplantats? Das wurde kürzlich in einer großen Beobachtungsstudie untersucht, die auf dem 2019er-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (DGMKG) vorgestellt wurde. Für sie wurden mehr als 26.000 Behandlungen analysiert, die zwischen 2001 und 2017 vorgenommen wurden. Naturgemäß konnte dabei die Überlebensrate nach zehn Jahren nicht immer registriert werden; das verzerrt die Ergebnisse jedoch insofern kaum, als das Gros der Implantatverluste ohnehin im ersten Jahr nach der Behandlung auftritt.

Veralteter Implantattyp gibt den Ausschlag
Insgesamt wurde bei den ausgewerteten Implantationen ebenfalls eine Erfolgsrate von rund 95 Prozent verzeichnet. Als bedeutendster Risikofaktor kristallisierte sich ein Implantattyp heraus, der heute kaum noch eingesetzt wird: Zylinderimplantate. Behandlungen mit diesem Typ kamen lediglich auf eine Erfolgsrate von 85,8 Prozent. Die heutzutage dominierenden Modelle allein betrachtet dagegen erreichen 96,8 Prozent.

Ein weiterer bedeutsamer Risikofaktor ist eine ungünstige Lage des Implantats, das heißt konkret: Im Seitenzahnbereich kommt es häufiger zu Komplikationen. Die Forscher führen das auf die hygienische Situation zurück, denn die Reinigung fällt bei schwer erreichbaren Zähnen schwerer. Und die Zahnhygiene spielt eine wesentliche Rolle: „Ein Zahnimplantat samt Zahnersatz braucht nicht weniger heimische Mundhygiene als natürliche Zähne. Dringen nämlich Keime bis ins Implantatbett, also bis ins umgebene Gewebe vor, kann es zu einer Periimplantitis kommen. Diese entzündliche Erkrankung ist in den meisten Fällen die unmittelbare Ursache eine Implantatverlusts“, berichtet die erfahrene Implantologin und Zahnärztin Dr. Kristin Varga, die in Hanau praktiziert.

Auch das Rauchen und ein Diabetes mellitus stellen signifikante Risikofaktoren für Zahnimplantate dar, ebenfalls vor allem im Zusammenhang mit der Entzündungsgefahr. Patienten mit augmentierten, also „aufgebauten“ Kieferknochen können dagegen beruhigt sein: Bei ihnen liegt die Erfolgsrate bei 96,4 Prozent und damit über dem Durchschnitt.