Sind elektrische Zahnbürsten doch besser?

Lange galt: Elektrozahnbürsten putzen nicht unbedingt besser, sondern allenfalls schneller als Handzahnbürsten. Eine Greifswalder Studie zeigt nun aber deutliche Vorteile.

Es gibt nicht viele seriöse Studien, in denen der Effekt von Hand- und Elektrozahnbürsten verglichen wird. Oftmals handelt es sich um Herstellerstudien, die prinzipiell mit Vorsicht zu genießen sind. Die unabhängigen Arbeiten kamen bisher überwiegend zu dem Schluss, dass man mit beiden Zahnbürstentypen die gleichen Resultate erzielen kann. Auf manuellem Wege braucht man dafür allerdings etwas länger als mit elektrischer Verstärkung. Als Grundlage für diese Einschätzung diente eine Untersuchung der Zahnbeläge, die jeweils mit den Bürsten entfernt werden konnten.

Einen anderen Ansatz – und einen wesentlich längeren Untersuchungs- bzw. Wirkungszeitraum – wählten nun Forscher der Universitätsmedizin Greifswald. In einer elfjährigen Beobachtungsstudie setzten sie die auftretenden Erkrankungen und Symptome von Zähnen und Zahnhalteapparat in Beziehung zur Art der jeweils verwendeten Zahnbürste. Als Probanden dienten über 2.800 Patienten, die an der Greifswalder Gesundheitsstudie „Study of Health in Pomerania“ teilnahmen. „Elektrische Zahnbürsten sind in Deutschland in allen Altersgruppen beliebter geworden, aber nur wenige Studien haben ihre Langzeitwirksamkeit getestet“, umreißt Studienautor Dr. Vinay Pitchika die Motivation für die Studie.

20 Prozent weniger Zahnverlust
Zu Anfang putzten sich 18 Prozent der Probanden die Zähne elektrisch, im Laufe der Jahre stieg der Anteil auf 37 Prozent. Wie die Auswertung ergab, senkten sie damit ihr Risiko eines Zahnverlustes deutlich: Bei den Anwendern elektrischer Bürsten kam es zu 20 Prozent weniger Zahnverlust als bei den manuell Putzenden. Über die elf Jahre betrachtet blieb ihnen damit im Durchschnitt knapp ein halber Zahn mehr erhalten.

Das elektrische Putzen wirkt offenbar vor allem bei Patienten mit leichter und mäßiger Parodontitis einem Fortschreiten der Erkrankung stärker entgegen als das manuelle. So kam es bei den entsprechenden Probanden zu signifikant weniger Zahntaschen und Zahnfleischverlust. „Menschen, die bereits eine relativ gute Mundgesundheit und keine oder eine geringfügige Parodontalerkrankung haben, profitieren am meisten von der elektrischen Zahnbürste. Patienten mit schwerer Parodontitis benötigen jedoch eine medizinische Parodontalbehandlung“, erläutert Dr. Pitchika.

Im Lichte dieser Forschungsergebnisse müssen die einschlägigen Ratgeber offenbar umgeschrieben werden. „Es fehlt in diesem Bereich einfach an verlässlichen, unabhängigen Langzeitstudien, daher ist es zu begrüßen, dass die Lücke jetzt ein Stück weit geschlossen wurde“, kommentiert die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga. „Hervorzuheben bleibt aber, dass es in erster Linie darauf ankommt, die Zähne überhaupt regelmäßig und sorgfältig zu putzen. Eine oft benutzte Handzahnbürste leistet bessere Dienste als eine selten zur Hand genommene elektrische.“