So lassen sich ausgeschlagene Zähne retten

Geht ein Zahn, etwa beim Sport oder Kinderspiel, verloren, ist unverzügliches und besonnenes Handeln gefragt. In vielen Fällen kann der Zahn erfolgreich replantiert werden.

Die Ideallösung für den Fall eines ausgeschlagenen Zahns dürfte für Privathaushalte etwas zu viel Aufwand bedeuten: eine Zahnrettungsbox. Das darin befindliche Zellnährmedium kann einen Zahn für bis zu 25 Stunden vital halten, und das bei Zimmertemperatur. Vital bedeutet vor allem, dass die sogenannten Zementoblasten nicht absterben, Bindegewebszellen auf der Wurzeloberfläche. Sie sorgen nach dem Wiedereinsetzen des Zahns dafür, dass die Wurzelhaut wieder mit dem umgebenden Gewebe verwächst, der Zahn also wieder einheilt. Hat die Wurzelhaut ihre Vitalität eingebüßt, stößt der Kiefer den Zahn ab. Wiewohl sich das mit einer Zahnrettungsbox am wirksamsten vermeiden lässt, ist sie wegen der Kosten – sie muss auch alle zwei bis drei Jahre ersetzt werden – eher etwas für Schulen, Sportvereine oder Schwimmbäder als für normale Familienhaushalte. Doch auch diese können im Fall der Fälle die Chancen auf eine erfolgreiche Replantation eines ausgeschlagenen Zahns mit dem richtigen Verhalten deutlich erhöhen.

„Zunächst gilt es, den Zahn nicht am falschen Ende anzufassen: Die Wurzeloberfläche und den Zahnhals sollte man nach Möglichkeit nicht berühren, nur der Kronenbereich eignet sich dafür. Auf Reinigungsmaßnahmen, etwa unter dem Wasserhahn, sollte man verzichten“, rät die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga. „Am besten ist dann die sofortige Vorstellung bei einem Zahnarzt, denn der Zeitfaktor ist ganz entscheidend für die Chancen einer Replantation. In der Zwischenzeit sollte der Zahn möglichst vitalitätserhaltend gelagert werden.“

Geeignete und weniger geeignete Aufbewahrungsformen
Lange Zeit kursierte die Empfehlung, den Zahn einfach in der Mundhöhle zu belassen und dort in die nächste geöffnete Zahnarztpraxis zu transportieren. Davon ist allerdings abzuraten, denn zum einen wird das Risiko, den Zahn zu verschlucken, und damit die Erstickungsgefahr weithin unterschätzt; zum anderen gibt es in der Mundhöhle Keime, die den Zahn befallen können. Ebenso wenig vorteilhaft ist es, den Zahn in Wasser zu legen.

Wenn Kochsalzlösung (aus der Apotheke) verfügbar ist, verschafft diese bis zu zwei oder drei Stunden Zeit. Es gibt allerdings noch ein besseres Behelfs-Nährmedium, das in vielen Haushalten verfügbar ist und einen Zahn für bis zu sechs Stunden vital erhalten kann: kalte, ultrahocherhitzte Milch. Sie ist wie Kochsalzlösung isoton und bietet der Wurzelhaut zudem Nährstoffe.

Ohne ein solches geeignetes Aufbewahrungsmedium ist ein ausgeschlagener Zahn nach rund einer halben Stunde unrettbar verloren. Wird er hingegen sachgerecht transportiert, stehen die Chancen einer vollständigen Wiedereinheilung prinzipiell gut. Der Zahn wird nach Wiedereinsetzen für rund zwei Wochen geschient und hat dann seine alte Stabilität zurückerlangt. Zur Infektionskontrolle sollte er engmaschig zahnärztlich überwacht werden.