So wirkt Zucker im Mundraum

Nicht nur, aber insbesondere an den weihnachtlichen Festtagen locken Süßigkeiten allerorten. Wie der enthaltene Zucker – zu Ungunsten der Zahngesundheit – die Mundflora beeinflusst, haben Freiburger Forscher nun nachgewiesen.

Der prall gefüllte Weihnachtsteller gehört in vielen deutschen Haushalten zur Tradition. Was sich darauf findet, kann sich zwar stark unterscheiden. Meist haben die Naschwerk-Zusammenstellungen aber eines gemein: einen hohen Zuckergehalt. Denn neben Nüssen und Mandarinen türmen sich in der Regel verschiedene Schokoladen- bzw. Pralinenvarianten, Marzipan, Nougat, Karamell und, und, und.

Solange man sich ein solch „sündhaftes“ Vergnügen nur an wenigen Tagen im Jahr erlaubt (und die Mundhygiene entsprechend ernst nimmt), spricht sicherlich nichts dagegen. Kritisch wird es aber bei regelmäßigem hohem Zuckerkonsum. Denn der süße Stoff zählt neben Säuren, wie sie beispielsweise mit Fruchtsäften und Softdrinks aufgenommen werden, zu den Hauptverursachern von Zahnerkrankungen wie Karies.

„Das Tückische ist: Zucker versteckt sich in zahlreichen Lebensmitteln, ohne dass die Verbraucher das Ausmaß erahnen. Beliebte Beispiele für ‚Zuckerbomben‘ sind Frühstückscerealien, Cola oder Ketchup. Unterm Strich verzehren die Deutschen daher viel mehr Zucker, als ratsam wäre – mit negativen Folgen für die Zahngesundheit, vor allem wenn der Zucker über längere Zeit hinweg im Mund verbleibt“, warnt die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga.

Ein Glas Apfelschorle täglich wirkt sich bereits nachhaltig aus
Dass Zucker den Zähnen nicht guttut, ist keine Neuigkeit. Wie er genau wirkt, konnte bisher aber nicht experimentell belegt werden. Forscher der Freiburger Universitätsklinik haben diese Forschungslücke nun geschlossen. In ihrer Studie spielten Rinderzähne eine wesentliche Rolle – Probanden mussten Fragmente davon in einer Schiene mehrmals eine Woche lang im Mund tragen. Der Grund: Rinderzähne haben mit menschlichen viel gemeinsam, daher arbeiten Dentalwissenschaftler häufig mit ihnen.

Die Studienteilnehmer trugen die Rinderzahnschienen zunächst fünf Wochen lang bei normaler Ernährung, anschließend erhöhten sie ihren Zuckerkonsum durch das Lutschen von zehn Gramm Kandiszucker pro Tag. Etwa diese Zuckermenge findet sich auch in einem Glas Apfelschorle. Der Bakterienfilm auf den Rinderzähnen vor Beginn und nach Ende der „Lutschphase“ wurde schließlich verglichen.

Wie sich zeigte, verändert bereits die geringe zusätzliche Zuckermenge – die Deutschen kommen im Schnitt auf 90 Gramm Zucker pro Tag – den Biofilm deutlich. Die Zahl der verschiedenen Bakterienarten nimmt ab, und zwar vor allem aufseiten der schützenden Bakterien. Solche Bakterien hingegen, die den Zahnschmelz angreifende Säure produzieren, vermehren sich stark, etwa Streptococcus. Damit wird eine seit Langem gehegte Hypothese empirisch bestätigt.