Volkskrankheit Parodontitis

Zwölf Millionen Menschen hierzulande leiden an Parodontitis. Die Krankheit gefährdet nicht nur die Mundgesundheit, sondern kann sogar das Herz angreifen. Forscher sind den gefährlichen Erregern nun auf der Spur.

Der kräftige Biss in einen Apfel ist in der heutigen TV-Werbung für Zahncreme etwas aus der Mode gekommen, aber als erster Indikator für Parodontitis ist eben jener Biss immer noch sehr gut geeignet. Denn wenn sich beim Biss in den Apfel ein Zahnfleischbluten offenbart, könnte dies ein erstes Anzeichen für Parodontitis sein. Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnbetts. Sie entsteht durch Bakterien, die sich zwischen Zahn und Zahnfleisch ansammeln. Eine Ansammlung von Bakterien in Mundraum ist dabei nichts Ungewöhnliches. Wichtig ist nur, dass durch regelmäßige Zahnhygiene die Anzahl der Bakterien reduziert wird und auch das Immunsystem einwandfrei arbeitet. Problematisch wird es, wenn die Anzahl der Bakterien überhandnimmt, sich Zahnbelag bildet und das Zahnfleisch entzündet. Beim entzündeten Zahnfleisch kommt es zu diesem Bluten beim Zubeißen oder auch beim Zähneputzen.

Übertragung auf den ganzen Körper

Normalerweise haftet das Zahnfleisch fest am Zahn. Dadurch können keine schädlichen Bakterien in die Blutbahn des Körpers gelangen. Bei einer Parodontitis ist diese natürliche Barriere allerdings zerstört. Es kommt zur Übertragung der Keime auch auf andere Teile des Körpers. So können sich die Erreger aus dem Mund in den Gelenken festsetzen. Zudem gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass die Parodontitis-Erreger die Herzkranzgefäße verengen können. Es existiert außerdem eine gut untersuchte Wechselwirkung zwischen Parodontitis und Diabetes. Auch das Risiko für die Erkrankung der chronischen Lungenkrankheit COPD oder Rheuma kann durch die Erreger steigen. Forscher aus neun europäischen Ländern wollen die Volkskrankheit nun gemeinsam besser bekämpfen. Teil dieser Forschergruppe ist das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Halle an der Saale. Die Hallenser haben als Hauptfeind bereits das Bakterium Porphyromonas gingivalis ausgemacht. Dieses sei „hochtoxisch“ und sehr aggressiv. Das Bakterium aktiviert ein Enzym, welches Eiweiß abbaut und auch bei chronischen Entzündungen im Körper zu finden ist. Die Hallenser sind nun auf der Suche nach einem Mittel, welches dieses Enzym stoppt und das Wachstum der Bakterien behindert. Ziel ist die Entwicklung eines Antibiotikums, welches gezielt wirkt und den Rest der Mundflora nicht beeinflusst.

Parodontitis ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Umso wichtiger sind neben zahngesunder Ernährung und entsprechender Zahnhygiene regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt. „Die möglichen weitreichenden Konsequenzen der Parodontitis zeigen, dass der Zahnarztbesuch nicht nur für die Gesunderhaltung der Zähne und des Mundes unerlässlich ist, sondern sogar zur Vorsorge gegen schwere, sogar tödliche Krankheiten dienen kann“, sagt Kristina Dzeko Varga, Expertin für Parodontologie in Hanau.