Warum viele Stressgeplagte zum Zahnarzt gehen sollten

Oft ohne es zu merken, knirschen zahlreiche gestresste Menschen nachts mit den Zähnen. Das schädigt langfristig Zähne und Kiefer, was sich mit einer Aufbissschiene vermeiden lässt.

Stress gehört zu den verbreiteten Plagen der modernen Zivilisation. Das lässt sich an steigenden Burn-out- und Depressions-Patientenzahlen ablesen, aber auch an einer anderen Entwicklung: Mit 1,6 Millionen Verschreibungen benötigten 2016 gut 15 Prozent mehr Deutsche eine Aufbissschiene als noch 2002. Solche Schienen werden zur Vermeidung nächtlichen Zähneknirschens (fachsprachlich: Bruxismus) verschrieben. Und zum Knirschen kommt es wiederum hauptsächlich, wenn Stressgefühle abgebaut werden.

Viele der Bruxismus-Betroffenen merken lange Zeit gar nicht, dass sie im Schlaf mit den Zähnen knirschen. Meist gibt die Partnerin oder der Partner den ersten Hinweis. Wenn man allein schläft, fällt diese Rückmeldung weg – und im schlimmsten Fall wird das Zähneknirschen irgendwann am Gebiss erkennbar. Dann sind allerdings schon Schädigungen eingetreten.

Bis hin zu Zahnverlust und Kieferrückgang

„Wer über längere Zeit hinweg mit den Zähnen knirscht, riskiert gravierende Folgeschäden, die bis zum Zahnverlust führen können. Meist beginnt es mit einem Rückgang des Zahnfleisches, oft begleitet von Gingivitis und Parodontitis. Die Zahnflächen mit ihren Höckern, Kanten und Fissuren werden abgerieben, der Biss verschiebt sich, früher oder später lockern sich die Zähne“, führt die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga aus.

Wenn trotz der deutlich erkennbaren Warnzeichen nicht gegengesteuert wird – etwa weil Kontrolluntersuchungen ausbleiben –, kann sich sogar der Kieferknochen zurückbilden. Im Effekt verändert sich damit das Gesicht des Patienten oder der Patientin.

Das Gegenmittel ist dabei ebenso einfach wie wirksam: Das nächtliche Tragen einer Aufbissschiene mag zwar eine gewisse Gewöhnung erfordern, verhindert aber zuverlässig das Aufeinanderreiben der Zähne. Ideal wäre natürlich eine Therapie, mit der die wahre Ursache beseitigt wird: der Stress. Doch das gestaltet sich in der Praxis erfahrungsgemäß nicht so einfach und braucht seine Zeit. Der Zahngesundheit zuliebe sollte das Stresssymptom Zähneknirschen aber unverzüglich „entschärft“ werden.