Wie Parodontitis Leber und Gehirn gefährdet

Eine chronische Parodontitis ist keine bloß lästige Angelegenheit – sondern gefährdet neben den Zähnen den gesamten Organismus, wie eine aktuelle Studie erneut belegt.

Über Jahre merken viele Patienten gar nicht, dass sie an einer Parodontitis erkrankt sind. Gelegentliches Zahnfleischbluten wird mit zu eifrigem Einsatz der Zahnbürste erklärt, Schwellungen vielleicht mit einer Erkältung. Erst wenn diese Symptome hartnäckiger auftreten und Zahnfleischschwund die Zahnhälse mehr und mehr freilegt, häufig verbunden mit hartnäckigem Mundgeruch, wird offenbar, dass es sich um eine Entzündung handelt. Wird sie nicht bekämpft, drohen Zahnfehlstellungen und sogar Zahnverlust.

Aber noch weit mehr als das: „In zahlreichen Studien wurde in den vergangenen Jahren belegt, dass entzündliche Erkrankungen im Mundraum – wie die weitverbreitete Parodontitis – Auswirkungen auf die systemische Gesundheit, also auf den gesamten Organismus haben“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga. Der Grund: Die Keime werden kontinuierlich über die Mund- und die Magenschleimhaut in den Körper gespült, wo sie dann verschiedenste Folgeerkrankungen verursachen oder zumindest begünstigen können.

Zu diesen zählt einer neuen Studie aus Nordirland, in die Daten von mehr als 475.000 Briten einflossen. Eigentliches Ziel war es, eventuellen Zusammenhängen zwischen Krebs im Magen-Darm-Trakt und Mundhygiene auf die Spur zu kommen. Solche wurden nicht entdeckt – dafür aber eine andere besorgniserregende Korrelation: Das Leberkrebs-Risiko steigt bei unzureichender Mundhygiene um rund 75 Prozent. Letztere wurde per Selbstauskunft der Teilnehmer in Hinsicht auf gelockerte Zähne, Zahnfleischschmerzen und -bluten erhoben. Welche Faktoren genau das Krebsrisiko erhöhen, können die Forscher nur mutmaßen. Im Verdacht haben sie das Bakterium Fusobacterium nucleatum.

Parodontitis-Bakterium liefert Ansatz für Alzheimer-Medikament
In mehreren Studien wurde bereits belegt, dass das in Zusammenhang mit Parodontitis vorkommende Bakterium Porphyromonas gingivalis die Entstehung von Alzheimer begünstigt. Offenbar fördert es im Gehirn die Entstehung von Beta-Amyloid (senile Plaque). Wissenschaftler der University of Louisville im US-Bundesstaat Kentucky setzen nun genau dort an: Ein von ihnen entwickeltes Medikament soll das Parodontitis-Bakterium bei der Bildung von Beta-Amyloid hemmen. Erste Versuche verliefen vielversprechend.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass verschiedenste Organe in Zusammenhang mit der Mundhygiene und insbesondere mit Parodontitis stehen. Eine gründliche Vorsorge und regelmäßige Kontrolluntersuchungen schützen daher nicht nur Zähne und Zahnfleisch, sondern können unter Umständen das Leben verlängern.