Wie Stress die Zähne schädigen kann

Ob direkt durch Bruxismus und Mundtrockenheit oder indirekt über „entspannende“ Laster wie Rauchen und Alkoholkonsum: Die Zahngesundheit wird von Stress in Mitleidenschaft gezogen.

Der moderne Mensch ist nahezu rund um die Uhr gefordert: Die beruflichen Verpflichtungen nehmen qualitativ und quantitativ – zumindest gefühlt – zu, die Freizeit wird gern vollgestopft mit allem, was einen hohen Erlebniswert verspricht, die allgegenwärtigen Medien verlangen von früh bis spät nach Aufmerksamkeit. Kein Wunder, dass immer mehr Bundesbürger über Stressgefühle klagen. Ablesen lässt sich die Zunahme auch an der deutlich steigenden Zahl der Aufbissschienen-Verschreibungen.

„Eine Aufbissschiene dient der Vermeidung von Gebissschäden durch Zähneknirschen – in der Fachsprache Bruxismus genannt –, die von Zahnschmelzverlust über Zahnlockerungen bis hin zu Kiefergelenksbeschwerden reichen können“, erläutert die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga. „Und als ein Hauptrisikofaktor für dieses Aufeinanderpressen der Zähne gilt Stress.“

Dieses Beispiel für den ursächlichen Zusammenhang zwischen Stress und Gebiss- bzw. Kieferschäden ist seit Längerem bekannt. Daneben gibt es aber eine Reihe weiterer Negativauswirkungen, denen der kanadische Zahnärzteverband Nova Scotia Dental Association kürzlich in einer Patientenbefragung nachgegangen ist.

85 Prozent der Patienten spüren Zusammenhang
Dass Stressgefühle sich auf die Zahngesundheit auswirken, kennen satte 85 Prozent der Befragten aus eigener Erfahrung. 37 Prozent beziehen sich dabei auf Bruxismus, aber auch Karies sehen 29 Prozent als mögliche Stressfolge. Weitere Nennungen betreffen Kieferbeschwerden, Mundtrockenheit und Mundraumverletzungen. „Mundtrockenheit kann Zahnerkrankungen begünstigen, denn der Speichel erfüllt eine wichtige hygienische Funktion im Mundraum“, führt Zahnärztin Varga aus. „Gibt es zu wenig davon, wächst das Risiko von Karies, Infektionen oder Parodontitis.“

Diese schädlichen Auswirkungen sind noch direkt auf den Stress und die damit verbundene psychische Belastung zurückzuführen. Mittelbare Folgen kommen hinzu: Gestresste Menschen tendieren als Kompensation häufiger zum Rauchen, zum Alkohol oder zu zuckerreichen oder salzigen Snacks. Auch diese Laster haben einen ungünstigen Einfluss auf die Zahngesundheit. Gründe genug also, dem Stress den Kampf anzusagen.