Zahngesundheit bei Kindern hat abgenommen

Lange Zeit ging die Karies bei Kindern zurück. Nun offenbart der „Barmer Zahnreport 2020“, dass deutlich mehr Kinder betroffen sind als allgemein vermutet. Auch MIH ist ein drängendes Problem.

Gegenüber den 1970er- und 1980er-Jahren wurden in der Kariesbekämpfung deutliche Fortschritte erzielt, woran die Fluoridierung der Zähne – ob über Zahncreme oder Salz – erheblichen Anteil hat. Die Erfolgsgeschichte hat nun jedoch Risse bekommen: Der kürzlich erschienene „Barmer Zahnreport 2020“ vermeldet besorgniserregende Zahlen.

Der Auswertung lagen Daten aus dem Jahr 2018 zugrunde. Ihnen zufolge musste jeder dritte Zwölfjährige wegen Karies behandelt werden; bislang gingen Schätzungen davon aus, dass nur etwa jeder fünfte betroffen sei. Zu einem guten Teil dürfte das auf eine erstaunliche Zahnarztabstinenz zurückzuführen sein: Rund 720.000 der 4,6 Millionen Kinder bis sechs Jahre haben noch nie auf einem zahnärztlichen Behandlungsstuhl Platz genommen.

„Die neuen Statistiken spiegeln einen Trend wider, den wir auch in der zahnärztlichen Praxis registriert haben: Mangelnde Zahnpflege und eine stark zucker- sowie säurehaltige Ernährung führen bei mehr und mehr Kindern zu erheblichen Zahnschäden“, berichtet auch die Hanauer Zahnärztin Kristina Varga. „Vielen Eltern ist zudem nicht bewusst, dass Zähneputzen wie auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bereits ab dem ersten Milchzahn sinnvoll und wichtig sind. Die Gesundheit der Milchzähne prägt nämlich bereits die der folgenden, bleibenden Zähne.“

„Kreidezähne“: frühe Behandlung entscheidend
Neben Karies hat sich in den letzten Jahren ein weiteres gravierendes Zahngesundheitsproblem bei Kindern herauskristallisiert: die Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation (MIH), die zu sogenannten „Kreidezähnen“ führt, also zu zunächst verfärbtem, dann abbröckelndem Zahnschmelz. Aktuellen Erhebungen zufolge leiden bereits fast 30 Prozent der Zwölfjährigen unter MIH.

Noch immer liegen die Ursachen dieser Erkrankung im Dunkeln, im Verdacht stehen beispielsweise Weichmacher in Plastik. Als gesichert kann indes gelten, dass Eltern keine „Schuld“ trifft, wenn ihre Kinder MIH aufweisen. Denn auch gründliches, konsequentes Zähneputzen und eine zahnschonende Ernährung können die rätselhafte Erkrankung offenbar nicht verhindern. Entscheidend ist jedoch eine frühzeitige Behandlung, um die betroffenen Zähne noch retten zu können. Je nach Schweregrad kann eine Versiegelung, eine Füllungstherapie oder auch eine Überkronung diesen Zweck erfüllen. Wie das Karies- spricht jedenfalls auch das MIH-Risiko dringend für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt – bei Kindern am besten halbjährlich.