Das Ende der Wurzelkanalbehandlung, wie wir sie kennen?

Ein Forschertraum könnte Wirklichkeit werden: zerstörtes Gewebe nachwachsen lassen – in diesem Fall die Zahnpulpa. Damit könnte die klassische Wurzelkanalbehandlung obsolet werden.

Guttapercha lautet der eigentümliche Name eines Materials, das in der Zahnmedizin breiten Einsatz findet. Er stammt aus dem Malaiischen und leitet sich ab vom Guttaperchabaum, dem der gummiähnliche Stoff entnommen wird. Heute werden in aller Regel auch Milchsaftextrakte anderer Pflanzen beigemischt. Das organische Material leistet vor allem in der Endodontie hervorragende Dienste, also bei Wurzelkanalbehandlungen.

„Standardmäßig werden die Hohlräume, die bei der Entfernung infizierten Gewebes entstehen, im Zuge einer Wurzelkanalbehandlung mit Guttapercha verfüllt und dann mit Zement abgedichtet“, erklärt die in Hanau praktizierende Zahnärztin Kristina Varga. „Das Material ist hoch belastbar, langlebig und körperverträglich. Daher können auch die weitaus meisten Zähne mit einer Wurzelkanalbehandlung dauerhaft gerettet werden.“

Doch das Bessere ist der Feind des Guten, wie der Volksmund weiß. Guttapercha könnte mittelfristig aus der Endodontie verschwinden, wenn sich die Vision eines kalifornischen Forscherteams bewahrheitet.

Eigenpulpa und Blut mit Extras
Die an der School of Dentistry an der University of California in Los Angeles (UCLA) tätigen Wissenschaftler streben danach, die bakteriengeschädigte Pulpa im Zahninnern zur Regeneration anzuregen. So soll mit Eigengewebe belebt werden, was derzeit noch mit Guttapercha gefüllt wird. Den Schlüssel zu dieser Therapie sehen sie in einer Mixtur aus Blut, das mit Wachstumsfaktoren und stammzellanregenden Verbindungen versetzt wird, und einem Brei aus Eigenpulpa des Patienten.

Mit diesem Gemisch soll die Wiederherstellung des Pulpagewebes angestoßen werden, oder zumindest eines Eigengewebes, das die gleichen physiologischen Eigenschaften aufweist. Aktuell laufen Tests, die die Praxistauglichkeit der neuen Behandlungsmethode unter die Lupe nehmen. Gelingt die Regeneration von Eigenpulpa, dürfte ein neuer Standard in der Endodontie Einzug halten. Und deren schon heute hohe Erfolgsquote sich noch weiter verbessern.